Studie zur Dooring-Gefahr neben parkenden Fahrzeugen

Das Radkompetenz-Mitglied Rosinak & Partner hat im Auftrag des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KFV) eine umfangreiche Studie über das Radfahren entlang von parkenden Fahrzeugen und den damit verbundenen Risiken durchgeführt. Österreichweit wurden zehn Standorte mittels Videoanalysen untersucht und RadfahrerInnen und Fahrzeuglenker/Innen befragt.

 

Die Ergebnisse zeigen ein Gefährdungspotenzial für RadfahrerInnen: Im Durchschnitt über alle 10 Standorte bewegen sich drei Viertel aller beobachteten RadfahrerInnen innerhalb des Türöffnungsbereich eines Kfz, der sogenannten „Dooring-Zone“ (75 cm breit) und laufen damit Gefahr, von plötzlich aufgehenden Autotüren erfasst zu werden. Darüber hinaus halten Kfz-LenkerInnen bei 80 % der Überholvorgänge den erforderlichen Sicherheitsabstand zu Radfahrer/Innen nicht ein. Drei Viertel der befragten Radfahrer/Innen waren schon in einen Unfall oder eine kritische Situation mit aufgehenden Autotüren verwickelt.

(Schmale) Mehrzweckstreifen gefährden Radfahrer/Innen

Die Videoanalysen zeigen, dass sich RadfahrerInnen sehr stark an Längsmarkierungen (Leitlinie etc.) orientieren, Piktogramme beeinflussen ebenfalls die Fahrlinienwahl. Längsmarkierungen bewirken eine Zonierung der Fahrbahn, mit folgenden Effekten: RadfahrerInnen fahren in der Mitte „ihres Fahrstreifens“, wo sie durch unachtsam geöffnete Autotüren („Dooring“) gefährdet sind. Gleichzeitig wird Kfz-LenkerInnen ausreichend Platz für ein scheinbar sicheres Überholen signalisiert, was zu Überholmanövern mit deutlich zu geringem Sicherheitsabstand führt. Bei der Mindestbreite von Mehrzweckstreifen gemäß der Richtlinien und Vorschriften für das Straßenwesen (RVS) (1,50 m) bewegt sich der Radfahrende unweigerlich in der Türzone. Die Regelbreite von Mehrzweckstreifen laut RVS (1,75 m) ermöglicht RadfahrerInnen gerade noch das Fahren außerhalb der Dooring Zone.

Dilemma für die Radverkehrsplanung

Die Befragungen machen ein Dilemma für die Radverkehrsplanung sichtbar: Radfahrer/Innen fühlen sich mit markierten Radverkehrsanlagen sicherer als ohne Markierungen, werden aber durch schmale Mehrzweckstreifen in Richtung geparkter Fahrzeuge gedrängt. Außerdem suggeriert die Längsmarkierung von Mehrzweckstreifen den Autofahrer/Innen, dass sie „einen eigenen Fahrstreifen“ und damit genug Platz zum Überholen hätten. Damit lässt sich der Widerspruch erklären, warum 80 % der Autofahrer/Innen den Sicherheitsabstand beim Überholen nicht einhalten, während die Mehrzahl bei der Befragung angibt, Radfahrer/Innen nur dann zu überholen, wenn ausreichend Platz vorhanden ist.

Nötige Fahrbahnbreiten für Einhaltung der Sicherheitsabstände

Die Einhaltung aller notwendigen Sicherheitsabstände beim Überholen erfordert große Fahrbahnbreiten. Die theoretischen Überlegungen in der folgenden Abbildung zeigen, dass für eine Einbahnstraße mit beidseitigem Längsparkstreifen eine Fahrbahnbreite von zumindest 5,80 m erforderlich wäre. Derartig breite Einbahnen wären jedoch praxisfern. Bei üblichen Querschnitten in Einbahnen ist sicheres Überholen nicht möglich und sollte bestmöglich unterbunden werden.

Empfehlungen der Studie:

  • Verstärkt Maßnahmen zur Bewusstseinsbildung und Verkehrsaufklärung setzen: Bewusstsein für die Gefährdung von Radfahrer/Innen beim Öffnen der Fahrzeugtüre bei Kfz-Lenker/Innen und Radfahrer/Innen erhöhen sowie das Öffnen der Fahrzeugtüre fahrerseitig immer mit der rechten Hand propagieren („The Dutch Way“).
  • Bewusstseinsbildung zur Einhaltung eines ausreichenden Sicherheitsabstandes beim Überholen von Radfahrer/Innen.
  • Prüfen ob 1,75 m statt 1,50 m Mindestbreite bei Mehrzweckstreifen machbar ist.
  • Bodenmarkierungen (Fahrradpiktogramme samt Pfeilmarkierung, z. B. Sharrows) haben einen wesentlichen Einfluss auf die Wahl der Fahrlinie. RadfahrerInnen orientieren sich anhand der Piktogramme. Piktogramme sollten daher so markiert werden, dass diese RadfahrerInnen nicht in den gefährlichen Türöffnungsbereich eines Kfz, der sogenannten „Dooring-Zone“, leiten.
  • Klare Einsatzkriterien und Standards für Sharrow-Bodenmarkierungen entwickeln.
  • Nach Möglichkeit Schutzstreifen/Abstandszonen zu parkenden Fahrzeugen markieren.

Die Präsentation der Studienergebnisse auf der KFV-Fachtagung Fahrrad steht hier als pdf zum Download bereit.

Quelle:http://radkompetenz.at/1701/studie-zur-dooring-gefahr-neben-parkenden-fahrzeugen/

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